Newsletter Re:mind (1)

Das Schweigen der Kirchen zu Gaza

Das Töten geht weiter, die Kirche schweigt: Obwohl sich die Zweifel an der Unterstützung Israels mehren, halten sich die Kirchen in Deutschland mit Kritik zurück – und beschädigen so ihre eigene Glaubwürdigkeit.


Liebe Eule-Leser:innen,

nachdem wir Ende Juni die #LaTdH („Links am Tag des Herrn“) anständig beerdigt haben, hat Die Eule einen neuen wöchentlichen Newsletter: Re:mind. Dieser Newsletter ist für alle Menschen gedacht, die in Kirche und Gesellschaft Bescheid wissen wollen. Jeden Freitag bringen wir Dir ein zentrales, wichtiges und/oder aktuelles Thema und verschaffen Dir Orientierung in gegenwärtigen Debatten. Kritisch und mindful. Wenn Du dich zum Newsletter noch nicht angemeldet hast, dann kannst Du dich direkt unten beim dunkelblauen Balken eintragen!

Ich könnte jetzt noch viele Worte darüber verlieren, was wir uns dabei gedacht haben, den Newsletter „Re:mind“ zu nennen, was wir von den alten #LaTdH übernehmen und was wir neu und anders machen wollen. Ganz knapp: Jeder Newsletter wird sich mit einem Thema befassen, außerdem gibt’s Eule-Lektürehinweise und einen guten Satz. Und in Zeiten der hoch konventionalisierten und konventionellen Publizistik lassen wir uns bewusst den Freiraum, es mal auch ganz anders zu machen und ne Runde zu eskalieren. Die Wahrheit liegt ohnehin in der Performanz. Der Sommer ist vorbei. Wir legen wieder los.

[HIER SOLL DAS AnmeldungsBANNER HIN], Wenn man das automatisieren will, also vor oder besser noch anstatt des ersten hr-Strichs oder so, dass ich es per Shortcut selbst setzen kann, jedenfalls viel höher im Artikel als bisher in den #LaTdH

Bei aller Unterschiedlichkeit der Studien- und Lebenswege gibt es doch gemeinsame Erfahrungen, die von den Frauen gemacht wurden. Über die Möglichkeit, überhaupt Theologie studieren zu dürfen, waren sie (ihren Bischöfen) sehr dankbar. Das Seminar wurde zu einem kleinen Freiheitsort inmitten einer Gesellschaft, die stark entkirchlicht wurde. Für die katholische Diaspora in der DDR war die Erfurter Theologie ein wichtiger Lebensfaden.

Beim zunehmend gemeinsamen Theologiestudium mit den männlichen Kommilitonen wurde jedoch auch deutlich, wie das theologische Arbeiten innerkatholisch aufgrund des Geschlechts differenziert betrachtet wurde. Dabei erinnern die Frauen das Wirken ihrer Professoren und Dozenten als sehr unterstützend, während das Studium mit „weniger fleißigen, aber berufenen“ Männern auch in der Erinnerung Anlass zum Grübeln gibt. Die Theologinnen wirkten nach ihrem Studium in Erfurt in den katholischen Gemeinden, in der kirchlichen Arbeit mit Kindern, der Erwachsenenbildung, auch publizistisch und in Ausnahmefällen akademisch-theologisch. Angebote, selbst als Professorin tätig zu werden, schlugen zwei Absolventinnen hingegen aus.

Der im Frühjahr 2025, kurz vor Veröffentlichung des Buches, verstorbenen Theologie-Pionierin Jutta Brutscheck, rief Weronika Vogel auf dem Blog der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt nach, was für Leben und Wirken zahlreicher Theologiestudentinnen in Erfurt gilt: „Die Jahre ihres Studiums in Erfurt waren für sie mehr als eine akademische Ausbildung, sie waren ein Ort der Berufung und Bestärkung. In einer Zeit des Umbruchs bot ihr das Studium die Freiheit, theologisch zu denken – und später, andere in diesen Denkraum einzuladen.“ Brutschek war die erste und einzige promovierte katholische Theologin der DDR. Promoviert wurde sie an der Universität Krakau, weil ihr dies im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen an einer päpstlichen Hochschule in Rom nicht gestattet war.
Die Freude am gläubigen Denken und nachdenklichen Glauben ist mit beiden Händen zu fassen

Aus den biographischen Schilderungen der Frauen geht eindrücklich hervor, welchen großen Schatz sich die Kirche in der DDR an ihnen erworben hat, wie sie „den theologischen Grundwasserspiegel“ in ihren Bistümern angehoben haben. Immer wieder geraten die Frauen noch heute, im Nachdenken über ihre Vergangenheit, ins Theologisieren. Die Freude am gläubigen Denken und nachdenklichen Glauben ist mit beiden Händen zu fassen. Nach der Wiedervereinigung waren die Absolventinnen des Edith-Stein-Seminars bei der Einführung des Religionsunterrichts in den neuen Bundesländern, an kirchlichen Akademien und in den Bildungsressorts der Bistümer – auch in den alten Bundesländern – gefragt. Regina Freitag erinnert: „Wir waren auf einmal dran!“

Gesucht wurde im wiedervereinigten Deutschland nach Frauen, die psychologisches und theologisches Wissen mitbrachten und nicht sozialistisch geprägt waren. Dass die Abschlüsse, die von den Frauen in Erfurt erworben wurden, von Seiten beider deutscher Staaten nicht anerkannt waren, stellte wenngleich nicht immer eine Hürde so doch einen Wermutstropfen dar. Manche Theologin absolvierte „nach der Wende“ noch Kurse, um die staatliche Anerkennung „nachzuholen“.

Der im Frühjahr 2025, kurz vor Veröffentlichung des Buches, verstorbenen Theologie-Pionierin Jutta Brutscheck, rief Weronika Vogel auf dem Blog der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt nach, was für Leben und Wirken zahlreicher Theologiestudentinnen in Erfurt gilt: „Die Jahre ihres Studiums in Erfurt waren für sie mehr als eine akademische Ausbildung, sie waren ein Ort der Berufung und Bestärkung. In einer Zeit des Umbruchs bot ihr das Studium die Freiheit, theologisch zu denken – und später, andere in diesen Denkraum einzuladen.“ Brutschek war die erste und einzige promovierte katholische Theologin der DDR. Promoviert wurde sie an der Universität Krakau, weil ihr dies im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen an einer päpstlichen Hochschule in Rom nicht gestattet war.
Die Freude am gläubigen Denken und nachdenklichen Glauben ist mit beiden Händen zu fassen

Aus den biographischen Schilderungen der Frauen geht eindrücklich hervor, welchen großen Schatz sich die Kirche in der DDR an ihnen erworben hat, wie sie „den theologischen Grundwasserspiegel“ in ihren Bistümern angehoben haben. Immer wieder geraten die Frauen noch heute, im Nachdenken über ihre Vergangenheit, ins Theologisieren. Die Freude am gläubigen Denken und nachdenklichen Glauben ist mit beiden Händen zu fassen. Nach der Wiedervereinigung waren die Absolventinnen des Edith-Stein-Seminars bei der Einführung des Religionsunterrichts in den neuen Bundesländern, an kirchlichen Akademien und in den Bildungsressorts der Bistümer – auch in den alten Bundesländern – gefragt. Regina Freitag erinnert: „Wir waren auf einmal dran!“

Gesucht wurde im wiedervereinigten Deutschland nach Frauen, die psychologisches und theologisches Wissen mitbrachten und nicht sozialistisch geprägt waren. Dass die Abschlüsse, die von den Frauen in Erfurt erworben wurden, von Seiten beider deutscher Staaten nicht anerkannt waren, stellte wenngleich nicht immer eine Hürde so doch einen Wermutstropfen dar. Manche Theologin absolvierte „nach der Wende“ noch Kurse, um die staatliche Anerkennung „nachzuholen“.

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Aktuell im Magazin:

500 Jahre Bauernkrieg im „Eule-Podcast“: Ein Triptychon zum Lauschen – Philipp Greifenstein

Im Juli und August haben wir uns im „Eule-Podcast“ ausführlich mit dem Gedenken an den Bauernkrieg von 1524/25 befasst und dazu drei spannende GesprächspartnerInnen eingeladen: Die Historikerin Lyndal Roper, den Kirchengeschichtler Thomas Kaufmann sowie den Historiker und Publizisten Tobias Prüwer. Alle drei haben (höchst unterschiedliche) Bücher zum Bauernkrieg, über seine Folgen und sein Vermächtnis geschrieben. In einem Überblicksartikel beschreibe ich, worin sich die drei (un-)einig sind und was wir heute vom Bauernkrieg lernen können.

Die Kraft der Verbrüderung der „einfachen Leute“. Die Bedeutung des Sozialen für die Realisierung von Freiheit. Die Dimension der Gemeinschaftlichkeit der Freiheit (engl. communal), die eben mehr als individuelle und individualistische Freiheitausübung bedeutet. Eine lebendige Beziehung zum Land. Ehrfurcht vor den endlichen und begrenzten natürlichen Ressourcen. Ein Bewusstsein für die Notwendigkeit des befreienden Wortes und die Bedeutung des kämpferisch-argumentativen Ringens um politische und theologische Wahrheiten.

„Schöner glauben“ oder besser streiten? – Maren Hahnemann

Rechte Talking Points, Falschaussagen und Harmoniezwang hat Maren Hahnemann in den Äußerungen des landeskirchlichen Influencers Nicolai Opifanti gefunden. Anhand seines Agierens in der Causa Brosius-Gersdorf und eines Auftritts im „Schöner glauben“-Podcast analysiert sie, woran der (christliche) Online-Diskurs so häufig scheitert.

Opifantis Diskurshaltung ist daher ein gutes Beispiel für die Selbstviktimisierung von konservativen und rechten Akteur*innen in der Kirche: Während man sich selbst mit Hilfe von Falschaussagen an einer Kampagne gegen angeblich zu linke Akteur*innen und/oder Positionen beteiligt, stellt man sich selbst als Opfer missgünstigen Framings dar, sobald die eigene Position kritisiert wird.

Die Forderungen nach Selbstkritik der vorgeblich „linksgrünen“ Kirche und nach größerem, heute angeblich nicht existierendem Meinungspluralismus, dienen der Legitimierung der eigenen Position und dem Versuch, dieser einen (noch) dominanteren Platz im Diskurs zu verschaffen, ohne sachliche Argumente liefern zu müssen, die diesen rechtfertigen würden.

„Die Männer mussten sich erst an uns Frauen gewöhnen“ – Philipp Greifenstein

Bereits am 9. Juli hatten wir zu einem Eule-Live-Abend in Zusammenarbeit mit der AG Religionsgeschichte der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (ESWTR) eingeladen. Die Autorinnen Marlen Bunzel und Weronika Vogel sowie Zeitzeuginnen stellten das Buch „Frauenporträts“ vor. Der Abend drehte sich um die spannende Geschichte der ersten und einzigen katholischen Theologinnen in der DDR. In meinem Bericht habe ich versucht, der Vielfalt (und Schönheit) des Abends gerecht zu werden und einen Einblick ins Thema zu geben.

Der nächste Eule-Live-Abend wird übrigens am 15. Oktober 2025 stattfinden. Dann werden wir uns mit generativer KI und digitalen Bildwelten befassen. Save the date!


Der Sommer war nicht sooo lang und groß und selbst in Bayern und Württemberg werden die südlicheren Tage irgendwann auch mal zu Ende gehen. Dann stehen im Osten ja schon die Herbstferien vor der Tür! In den Ferien können wir einen – der Hoffnung nach – entspannteren Umgang mit der Zeit (nicht der Zeitung!) einüben. Langeweile, so wichtig. Nur wenn die Synapsen mal relaxen können, sind sie hernach auch zu kreativen, gar poetischen Leistungen imstande. Allen Nachsinnenden und Sinnsuchenden empfehle ich daher Frank Chimeros gedankliche Sommerwanderungen auf seinem Blog mit dem schönen Titel „Time is On My Side“:

I asked AI what we do with time, and it came back with words that were commercial and violent. We spend time, save time, take time, and make it; manage, track, and save it; we kill time, we pass it, we waste it, borrow, and steal it. We abuse time and it beats us back up, either in retribution or self-defense. It’s a zero-sum perspective of the material of our lives; it makes us prisoners to our own utility.

The AI said nothing about love, loyalty, or enthusiasm. When you wrap those up, it becomes clear that the best thing to do with time is to devote it. That is how you get time on your side. When you are working with time instead of against it, every bit matters, it all counts, even the fallow times, the empty times, the time off the path.


In diesem Sommer sind in der Eule drei Interviews erschienen, die ich allen, die sie vielleicht aufgrund eigener Ferienlustigkeit übersehen haben, gerne noch mal ans Herz lege: Benjamin Lassiwe hat die neue (und erste) Präsidentin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), Natalie Georgi, befragt. Mit Dorothee Wüst, die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz und Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum (BeFo) sexualisierte Gewalt in der EKD ist, habe ich ausführlich über die weitreichenden Reformen in ihrer Kirche und den Stand bei den Aufarbeitungskommissionen und Anerkennungsleistungen gesprochen. Und komplementär zur „Eule-Podcast“-Folge mit ihr, gibt’s auch ein Interview zum Lesen mit Lyndal Roper über das (politische) Erinnern an den Bauernkrieg.


Immer am 30. eines Monats geleiten wir mit dem „Eule-Podcast RE:“ alle Eule-Leser:innen und -Hörer:innen hoffentlich gut informiert, weiser und bestärkt in den neuen Monat. Morgen erscheint auf allen Podcast-Kanälen und hier im Magazin das „Eule-Podcast RE: August/Juli 2025“ mit Thomas Wystrach und mir, indem wir über zwei (römisch-katholische) Aufregerthemen des Sommers debattieren: Die Causa Brosius-Gersdorf und die Verleihung des Pieper-Preises an Robert Barron. Außerdem gibt es wie immer im „Eule-Podcast RE:“ auch eine gute Nachricht.

Ein schönes Wochenende wünscht
Philipp Greifenstein

Und zum Schluss unseres wöchentlichen Newsletters gibt es auch unter neuem Titel …

Ein guter Satz

„Lasst euch nicht vereinzeln.“

– Carla Siepmann in ihrer netzpolitik.org-Kolumne „Breakpoint“ über Gemeinschaft und gegenseitige Fürsorge

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